Bilbao - 31. August 2025
Saint Jean Pied de Port - 1. Sept. 2025
Am Morgen kurz vor acht habe ich die Herberge verlassen – ohne Frühstück, obwohl es im Preis drin gewesen wäre. Aber was soll man machen, wenn das Frühstück erst ab acht startet und man selbst schon vorher loszieht. Der Bus um 8.50 Uhr war so pünktlich, dass er vermutlich schon seit 8.45 Uhr ungeduldig mit dem Motor geschnurrt hat. Zwei Zwischenstopps später stand ich um halb zwölf in Bayonne und gönnte mir einen Salat, der mein Pilgerbudget für den Tag nicht sprengte. Um 14.24 Uhr ging es dann weiter mit dem Zug nach Saint-Jean-Pied-de-Port. Gegen halb vier kam ich an und spazierte durch das Städtchen. Wunderschön – fast schon zu hübsch, um wahr zu sein. Die Nacht verbrachte ich in einem Zehnbettzimmer. Neben mir zwei ältere Italiener, einer davon gehbehindert. Er hielt sich ständig an meinem Bett fest, als wäre es ein Geländer im Sturm. Ich wurde dabei ordentlich durchgeschüttelt.
Orisson - 2. Sept. 2025
Frühstück um sieben, Abmarsch um fünf nach acht – und sofort blies mir der Wind so heftig ins Gesicht, dass ich mich fühlte wie ein Wanderer im Windkanal. Mein Rucksack verwandelte sich in ein Segel, und ich war kurz davor, unfreiwillig nach Pamplona zu fliegen. Von 800 hm in Orisson ging’s hoch auf 1420 hm zum Col de Lepoeder. Oben angekommen, entschied ich mich gegen den steilen Abstieg. Meine Füße hatten mir sehr klar signalisiert: „Mach das, und wir kündigen.“ Also nahm ich den Umweg – diplomatische Lösung. Da ich nichts reserviert hatte und angeblich schon die Hälfte der Betten weg war, rannte ich den Berg runter wie ein Pilger auf der Flucht. Am Ende völlig unnötig: In Roncesvalles bekam ich problemlos ein Bett. Sogar die, die um halb sieben abends ankamen, wurden noch untergebracht. Vielleicht hatten sie reserviert, vielleicht hatten sie einfach göttlichen Beistand. Tagsüber hatte ich, mangels Alternativen, nur eine Banane, ein geschenktes Cookie und ein Sandwich gegessen. In Roncesvalles traf ich dann Sahra, Brain und Gold‑Amy, die mir ein Bier spendierten. Da mein Magen leer war wie ein spanischer Dorfplatz zur Siesta, stieg mir das Bier sofort zu Kopf. Zum Glück gab’s beim Pilgermenü reichlich: Suppe, Pasta, Fisch mit Pommes und ein Eis. Der Tischwein war… sagen wir mal: Er war da. Der Merlot vom Vortag hätte ihn ausgelacht. Um zehn lag ich im Bett, bereit für heiligen Schlaf. Stattdessen gab’s ein ständiges Kommen und Gehen, Licht aus dem Gang wie in einem Horrorfilm – und mitten in der Nacht schrie eine Frau im Schlaf. Wahrscheinlich träumte sie vom Wind.
Bilbao - 31. August 2025
Der Flug nach Bilbao verlief ruhig, und schon kurz nach der Landung sass ich im Bus in Richtung Stadt. Kaum angekommen, öffnete der Himmel seine Schleusen. Trotzdem fuhr ich mit der Standseilbahn hinauf zum Monte Artxanda – nur um dort in dichtem Nebel zu stehen. Also wieder hinunter und in ein gemütliches Café geflüchtet, wo ich bei Croissant, Café con Leche und etwas Marmelade langsam trocknen und entspannen konnte. Als der Regen nachliess, schlenderte ich weiter zum Mercado de la Ribera, berühmt für seine unzähligen Tapasstände. Danach machte ich mich auf den Weg zu meiner Herberge, dem AllIRON Hostel, das allerdings nur über eine gefühlte Ewigkeit an Treppen zu erreichen war. Oben angekommen, deponierte ich meinen Rucksack und gönnte mir eine kurze Pause. Später besuchte ich das Guggenheim Museum. Die Ausstellung war spannend, auch wenn mich die Bilder weniger packten – das Gebäude selbst ist jedoch ein Erlebnis für sich und absolut sehenswert. Am Abend gab es einen einfachen Toast mit Avocado und einen Kaffee dazu. Einschlafen fiel mir schwer, und als ich endlich zur Ruhe kam, kam mitten in der Nacht ein weiterer Gast und bezog das Bett über mir. Der Schlaf blieb unruhig, und am frühen Morgen war ich wieder wach.
