Saint Jean Pied de Port - 1. Sept. 2025

Bilbao nach Saint Jean-Pied-de-Port

Am Morgen kurz vor 8.00 Uhr verließ ich die Herberge. Das im Preis enthaltene Frühstück konnte ich nicht in Anspruch nehmen, da es erst ab 8.00 Uhr angeboten wurde und ich früher aufbrechen musste. Der Bus um 8.50 Uhr traf pünktlich ein und fuhr bereits einige Minuten zu früh ab. Nach zwei Zwischenstopps erreichte ich gegen 11.30 Uhr Bayonne. Dort nahm ich eine leichte Mahlzeit ein, die meinem Tagesbudget entsprach. Um 14.24 Uhr setzte ich die Reise mit dem Zug nach Saint-Jean-Pied-de-Port fort. Die Ankunft erfolgte gegen 15.30 Uhr. Anschließend unternahm ich einen Spaziergang durch den Ort, der sich als sehr gepflegt und touristisch ansprechend präsentierte. Die Übernachtung erfolgte in einem Zehnbettzimmer. In unmittelbarer Nähe befanden sich zwei ältere italienische Mitreisende, von denen einer gehbehindert war. Dieser nutzte wiederholt mein Bett als Stütze, was zu spürbaren Erschütterungen führte.

Orisson - 2. Sept. 2025

Saint Jean Pied de Port nach Orisson 7.7 km + 600 hm.

Um 5.20h weckte mich der Italiener, indem er mir auf die Hand klopfte. Er wollte mich «netterweise» wecken. Da ich aber ausschlafen wollte und um Acht in der Bäckerei frühstücken, war ich sauer und konnte deshalb nicht mehr schlafen. Meine Pläne, alle dahin, so ging ich um 6.15h los ohne Frühstück.

Auf dem Weg zur Unterkunft nutzte ich einen Kaffeeautomaten, um mich kurz zu stärken. Bereits um 10.00 Uhr erreichte ich die Refuge Auberge Orisson. Der Zugang zum Zimmer war erst ab 12.00 Uhr möglich. Die Wartezeit überbrückte ich mit einem Getränk und Lesen. Am Nachmittag bestand die Möglichkeit, mit einem Jeton eine fünfminütige Dusche zu nutzen. Eine Verlängerung der Duschzeit war nicht vorgesehen. Anschliessend wusch ich meine Kleidung und hängte sie im Aussenbereich zum Trocknen auf. Dabei lernte ich Suzy aus Québec (Kanada) kennen. Obwohl ihre Muttersprache Französisch ist, verständigten wir uns auf Englisch. Am Abend fand ein gemeinsames Pilgeressen mit insgesamt 44 Teilnehmenden statt. Im Anschluss stellte sich jede Person vor und erläuterte die individuellen Gründe für den Jakobsweg. Bereits um 20.20 Uhr lag ich im Bett und eine halbe Stunde später schlief ich. Da das Zimmer nur mit sechs Personen belegt war, herrschte eine ruhige Atmosphäre, und die Nachtruhe dauerte bis 6.15 Uhr.

Roncesvalles - 3. September 2025 

Orisson - Roncesvalles 18.9 km 

Frühstück um sieben, Abmarsch um fünf nach acht – und sofort blies mir der Wind so heftig ins Gesicht, dass ich mich fühlte wie ein Wanderer im Windkanal. Mein Rucksack verwandelte sich in ein Segel, und ich war kurz davor, unfreiwillig nach Pamplona zu fliegen. Von 800 hm in Orisson ging’s hoch auf 1420 hm zum Col de Lepoeder. Oben angekommen, entschied ich mich gegen den steilen Abstieg. Meine Füße hatten mir sehr klar signalisiert: „Mach das, und wir kündigen.“ Also nahm ich den Umweg – diplomatische Lösung. Da ich nichts reserviert hatte und angeblich schon die Hälfte der Betten weg war, rannte ich den Berg runter wie ein Pilger auf der Flucht. Am Ende völlig unnötig: In Roncesvalles bekam ich problemlos ein Bett. Sogar die, die um halb sieben abends ankamen, wurden noch untergebracht. Vielleicht hatten sie reserviert, vielleicht hatten sie einfach göttlichen Beistand. Tagsüber hatte ich, mangels Alternativen, nur eine Banane, ein geschenktes Cookie und ein Sandwich gegessen. In Roncesvalles traf ich dann Sahra, Brain und Gold‑Amy, die mir ein Bier spendierten. Da mein Magen leer war wie ein spanischer Dorfplatz zur Siesta, stieg mir das Bier sofort zu Kopf. Zum Glück gab’s beim Pilgermenü reichlich: Suppe, Pasta, Fisch mit Pommes und ein Eis. Der Tischwein war, im Vergleich zum Vortag, ungeniessbar. Um zehn lag ich im Bett, bereit für den Schlaf. Stattdessen gab’s ein ständiges Kommen und Gehen, ständig Licht aus dem Gang und mitten in der Nacht schrie noch eine Frau im Schlaf.

 Zubiri - 4.  September 2025

Roncesvalles nach Zubiri 22.7 km

Um sieben Uhr gab es Frühstück. Es war so reichlich, später habe ich auf dem ganzen Weg nie wieder etwas Vergleichbares bekommen. Um zehn vor acht lief ich los. Zuerst ging es geradeaus durch besondere Wälder, danach wurde der Weg hügelig. Einige schräge Passagen waren ohne Stöcke schwierig, deshalb nahm ich mir vor, bald welche zu kaufen. Ich machte zwei kurze Stopps: einmal, um die Hosenbeine abzuzippen, dann ass ich einen Apfel. Später gönnte ich mir noch einen Café con Leche. Kurz vor zwei kam ich in der vorausgebuchten Herberge an. Ich duschte, wusch meine Wäsche und ging ins Dorf. Dort traf ich Sahra, Brain und Gold‑Amy, und wir tranken ein Bier zusammen. Es waren noch mehr Leute da und alle redeten durcheinander. Danach ging ich zurück zur Herberge. Später traf ich mich noch mit Suzy. Wir waren nicht in derselben Unterkunft und mussten weit laufen, um etwas zu essen zu finden. Es gab ein Pilgermenü: Mix‑Salat, Pommes mit Fleisch und als Dessert Pfirsich aus der Büchse. Kein Gourmettempel, aber ehrlich gesagt: genau richtig nach so einem Tag. Um 21:22 Uhr lag ich im Bett, blätterte noch kurz in meinem e‑book — und war dann weg. Schlief wie ein Stein.

Pamplona - 5. September 2025

Zubiri – Pamplona 20.3 km

Morgens um fünf wurde ich durch einen Schnarcher geweckt. Stand um sechs auf und bin viertel vor sieben los. Fand eine Bar «Valentin» die schon aufhatte. Croissant hatten sie nicht, dafür Café con lecce für € 1.40. Aus meinem Notvorrad zwei Mandeln und eine gedörrte Aprikose gegessen. Nach 10 km gab es an einem Fluss einen schönen Imbiss, ass eine Spinatomelette mit Kaffee für € 4.50. Lernte einen deutschen, evangelischen Pfarrer kennen. Wieder los, hatte das Gefühl, dass mir das Laufen heute leichter fiel als gestern. Kam um 12.45h in Pamplona in der Auberge Maria+Jesus an. Nachmittags traf ich mich mit Suzy und wir besuchten die Kathedrale Santa Maria la Real de Pamplona. Auf dem Hauptplatz spielte eine Kapelle Lieder aus dem Musical The Phantom of the Opera. Suzy hat Gluten-Allergie, sie schlug vor Tapas zu essen und natürlich dann die teuersten mit Fisch, da man das Andere ja nicht essen kann. Auch liefen wir weit aus dem Zentrum, damit wir eine Pizzeria die glutenfreie Pizzas macht, fanden. Wir waren erst um 22.45h in der Herberge zurück. Finde ich etwas mühsam, das Ganze. Schon jetzt merke ich, ob das Bett nur ein Holzbrett oder ein Lattenrost unter der Matratze hat. Hier war es ein Lattenrost und ich schlief recht gut, trotz Geschnarche.


Suchen